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Dieser Artikel richtet sich an ERP-Verantwortliche, IT-Berater und Steuerberater, die verstehen wollen, wie ein System aus eingehenden XRechnungen und E-Mail-Signaturen Kreditorenstammdaten ohne manuelle Eingabe befüllen kann. Behandelt werden: das vollständige Feld-Mapping zwischen XRechnung Business Terms und Kreditorenstamm, die Parsing-Logik für strukturierte und unstrukturierte Signaturen sowie die Abgleichregeln bei IBAN-Abweichungen.

Dieser Artikel ist Teil der Lösungen im Überblick. Den Überblick ohne Technikjargon bietet die Lösungsseite für Buchhaltung und Entscheider. Wie XRechnung als Format aufgebaut ist, erklärt XRechnung erklärt.


Feld-Mapping: XRechnung Business Terms → Kreditorenstamm

XRechnung codiert alle Dokumentdaten als Business Terms (BT) nach der europäischen Norm EN 16931. Die Felder des Verkäufers – also des Lieferanten im Sinne des Kreditorenstamms – sind in der Gruppe Seller gebündelt. Folgende BT stehen für die Stammdatenbefüllung zur Verfügung:

BT Bezeichnung Pflicht EN 16931 Pflicht BR-DE Kreditorenstamm-Feld
BT-27 Name des Verkäufers Ja Ja Kreditorname / Firmenbezeichnung
BT-31 USt-IdNr. des Verkäufers Nein Ja (BR-DE-2) USt-IdNr.
BT-32 Lokale Steuernummer Nein Ja (BR-DE-2) Steuernummer
BT-34 Elektronische Adresse Nein Nein Routing-Kennung (Peppol/Leitweg-ID)
BT-35 Adresszeile 1 Nein Nein Straße / Hausnummer
BT-36 Adresszeile 2 Nein Nein Adresszusatz
BT-37 Stadt Nein Nein Ort
BT-38 Postleitzahl Nein Nein PLZ
BT-39 Region / Bundesland Nein Nein Bundesland / Region
BT-40 Land Nein Nein Länderkennzeichen
BT-41 Kontaktperson Nein Ja (BR-DE-5) Ansprechpartner
BT-42 Kontakttelefon Nein Ja (BR-DE-6) Telefon
BT-43 Kontakt-E-Mail Nein Ja (BR-DE-7) E-Mail
BT-84 Zahlungskonto-Identifikator (IBAN) Nein Nein IBAN (Bankkonto)
BT-86 BIC Nein Nein BIC

Hinweis zu BR-DE-2: Die deutsche XRechnung-Erweiterung verlangt, dass entweder BT-31 (USt-IdNr.) oder BT-32 (lokale Steuernummer) vorhanden ist – nicht zwingend beides. Beide Felder sind je für sich optional, aber mindestens eines muss befüllt sein. Quellen: KoSIT – XRechnung-Spezifikation, eu-rechnung.de – BT-Referenz.


BT-34 – elektronische Adresse, nicht E-Mail-Adresse

Ein häufiger Irrtum: BT-34 wird gelegentlich als „E-Mail des Verkäufers" gelesen. Das ist falsch. BT-34 ist die elektronische Adresse im Sinne der Peppol-Routing-Infrastruktur – in Deutschland im B2B-Kontext häufig die Leitweg-ID (Format: DUNS-Nr.:0060:… oder GLN, OIN, Handelsregisternummer).

BT-34 ist als Identifikator gedacht, über den der Aussteller im Peppol-Netzwerk adressiert werden kann. Als eindeutige Lieferantenkennung eignet sie sich daher nur für Unternehmen, die am Peppol-Netzwerk aktiv teilnehmen – für alle anderen bleibt das Feld entweder leer oder enthält eine abweichend interpretierte Kennung. Wer BT-34 zur Deduplizierung von Kreditorenstämmen verwenden will, muss das Vorhandensein eines gültigen Peppol-Routing-Schemas (Schemakennung vor dem Doppelpunkt) prüfen; ansonsten ist BT-27 kombiniert mit BT-40 und BT-31 die tragfähigere Schlüsselkombination.


Datenqualität nach Herkunft

Nicht alle Datenquellen liefern dieselbe Strukturqualität. Für die automatische Stammdatenbefüllung ergibt sich eine klare Hierarchie:

Stufe 1 – XRechnung / ZUGFeRD XML (höchste Qualität)

Die Daten stecken im maschinenlesbaren XML-Kern. Jedes BT-Feld ist eindeutig kodiert, typisiert und per Schema validierbar. Zeichenketten, Ländercodes (ISO 3166-1 alpha-2), PLZ und IBAN liegen als diskrete Werte vor, ohne Parsing-Aufwand. ZUGFeRD-Dateien enthalten denselben XML-Kern im eingebetteten Anhang – als factur-x.xml (ZUGFeRD 2.1+ / Factur-X) in UN/CEFACT-Notation. Die Extraktion erfordert lediglich ein Standard-XML-Parsing (DOM oder SAX) plus Namespace-Auflösung. Details zum ZUGFeRD-Format: ZUGFeRD und Factur-X erklärt.

Stufe 2 – vCard-Signatur (RFC 6350)

Manche E-Mail-Clients hängen der ausgehenden Mail eine .vcf-Datei als Signatur-Anhang bei. Das vCard-Format (RFC 6350) ist zeilenbasiert und maschinenlesbar. Relevante Properties für die Stammdatenbefüllung:

BEGIN:VCARD
VERSION:3.0
FN:Anna Bauer                  → BT-41 / Ansprechpartner
ORG:Muster GmbH                → BT-27 / Kreditorname
TEL;TYPE=WORK:+49 69 123 456   → BT-42 / Kontakttelefon
EMAIL:a.bauer@muster.de        → BT-43 / Kontakt-E-Mail
ADR;TYPE=WORK:;;Musterstr. 1;Frankfurt;;60001;DE  → BT-35/37/38/40
END:VCARD

Property-Erkennung: Das FN-Feld (Formatted Name) enthält den vollständigen Displaynamen der Person, ORG die Firmenbezeichnung. ADR ist nach RFC 6350 ein semikolon-separierter Verbund aus PO Box, Extended Address, Street, City, Region, Postal Code, Country – in dieser Reihenfolge. Parsen erfordert einen RFC-konformen vCard-Parser, da Continuation Lines (Leerzeichen am Zeilenanfang) und Base64-kodierte Felder (z. B. PHOTO) auftreten können.

Einschränkung: vCard-Signaturen enthalten keine IBAN. Bankverbindungen stecken im vCard-Standard nicht – das Feld X-IBAN existiert nicht als offizielle Property und wird von keinem gängigen Mail-Client befüllt.

Stufe 3 – Freitext-Signatur

Die Mehrheit der Signaturen in deutschen Unternehmens-E-Mails ist unstrukturiertes HTML oder Plain Text. Extraktion erfolgt hier per Named-Entity-Recognition (NER) und regulären Ausdrücken:

  • Name: Zeile direkt nach/über der Berufsbezeichnung, Heuristik „Vorname Nachname" (zwei bis vier Worttoken, erste Buchstaben groß).
  • Telefon: \+?[0-9\s\-\/\(\)]{7,20} mit Präfix-Token wie „Tel", „Fon", „T:", „☎".
  • E-Mail: Standard-RFC-5322-Muster.
  • Adresse: Mehrzeilige Erkennung: PLZ-Muster [0-9]{5} als Anker, vorangehende Zeile als Straße, nachfolgende als Ort – kombiniert mit ISO-3166-Länderkennzeichen am Ende.
  • Firmenname: Erste Zeile nach dem Trennzeichen (oft -- oder horizontale Regel), bzw. Token mit GmbH/AG/GbR/UG-Suffix.

Freitext-Parsing hat eine inhärente Fehlerrate, die von der Signatur-Konvention des jeweiligen Unternehmens abhängt. Konfidenzwerte je Feld (z. B. 0,0–1,0 auf Basis von Musterkonsistenz und Tokenanzahl) ermöglichen es dem Benutzer, niedrig-konfidente Vorschläge vor der Übernahme zu prüfen.

Iban aus Freitext: Freitext-Signaturen enthalten gelegentlich IBAN-Angaben. Da diese nicht aus dem strukturierten Rechnungsfeld BT-84 stammen, gelten für sie dieselben erhöhten Prüfpflichten wie für jede manuell erfasste IBAN – dazu mehr im nächsten Abschnitt.


Dublettenerkennung beim Kreditorenanlegen

Bevor ein neuer Kreditorenstammsatz angelegt wird, prüft das System gegen den Bestand. Der Abgleich läuft mehrstufig:

  1. Exakter Treffer – BT-27 (normalisiert: lowercase, Leerzeichen kollabiert) und BT-40 (Länderkennzeichen) und mindestens eines von {BT-31, BT-32} stimmen überein → kein neuer Satz, bestehenden Datensatz zur Anreicherung vorschlagen.

  2. Unscharfer Treffer – Levenshtein-Distanz auf normalisiertem BT-27 ≤ 2 oder phonetischer Treffer (Kölner Phonetik / Soundex für deutschsprachige Firmennamen) → Treffer mit Konfidenz < 1,0 zur manuellen Entscheidung vorlegen.

  3. IBAN-Treffer – BT-84 stimmt mit einem bestehenden Kreditorenkonto überein, aber Name weicht ab → gesonderte Warnung (mögliche Umbenennung oder Betrugsversuch, siehe unten).

  4. Kein Treffer → Neuanlage mit Vorabdaten aus Rechnung oder Signatur, Status „zur Freigabe".

Der Neuanlage-Workflow legt noch keine buchhalterisch aktiven Felder (Zahlungskonto, Kontorahmen-Zuordnung) fest – diese erfordern eine explizite Freigabe durch die zuständige Person.


IBAN-Abgleich und Änderungs-Workflow

Die IBAN ist das sicherheitskritischste Feld im Kreditorenstamm. DATEV dokumentiert explizit, dass Angreifer ZUGFeRD/XRechnung-Dateien auf dem Transportweg abfangen und die IBAN im XML tauschen, bevor das Dokument den Empfänger erreicht – bei automatischer Verarbeitung ohne menschlichen Sichtkontakt ist dieser Angriff besonders effektiv (DATEV – E-Rechnung: wachsam sein).

Drei Konstellationen:

Situation Vorgehen
Neuer Kreditor, IBAN aus BT-84 vorhanden IBAN als Vorschlag übernehmen; Freigabe durch Benutzer erforderlich; Empfehlung: Abgleich gegen Lieferanten-Website
Bestehender Kreditor, IBAN stimmt überein Kein Handlungsbedarf; automatische Übernahme ohne Freigabe möglich
Bestehender Kreditor, IBAN weicht ab Änderungsantrag mit Quellenangabe (BT-84 aus Rechnung-ID X); explizite Freigabe zwingend; Hinweis auf DATEV-Warnung; parallel telefonische Verifikation empfohlen

Abgleich nach EU 2024/886 (Verification of Payee)

Seit dem 9. Oktober 2025 sind Zahlungsdienstleister in der Eurozone verpflichtet, bei Einzel-SEPA-Überweisungen den Namen des Zahlungsempfängers gegen die angegebene IBAN abzugleichen – der Überweisende erhält vor Ausführung ein Match/Close-Match/No-Match-Signal (EU-Verordnung 2024/886). Für Sammelzahlungen besteht derzeit noch eine Opt-out-Option mit voller Haftungsübernahme durch den Auftraggeber (Art. 5c; KPMG – Verification of Payee).

Praktische Konsequenz: Wer im Kreditorenstamm einen falschen Firmennamen oder eine veraltete IBAN führt, riskiert beim nächsten Zahllauf ein „No Match" der Bank – die Überweisung stockt, der Lieferant eskaliert, und der Fehler lässt sich auf den veralteten Stammsatz zurückverfolgen. Die automatische Befüllung aus BT-27 und BT-84 reduziert genau dieses Risiko: der Name kommt aus dem strukturierten XML des Lieferanten selbst, nicht aus einer manuellen Eingabe.


Verarbeitung über Schnittstelle

Der Dienst stellt Eingangsdaten über eine REST-Schnittstelle bereit. Der Ablauf im Überblick:

  1. Eingehende E-Mail-Rechnung wird empfangen (IMAP-Polling oder direkte API-Übergabe).
  2. Anhänge werden klassifiziert: XRechnung-XML, ZUGFeRD-PDF (XML-Extraktion aus /XRechnungsdaten-Attachment), vCard-Anhang, sonstiger Anhang.
  3. Erkannte Felder werden je Quelle mit Konfidenzwert normalisiert und zurückgegeben.
  4. Abgleich gegen bestehende Kreditoren-IDs erfolgt serverseitig; Ergebnis enthält Treffer-Status und Delta-Felder.
  5. Freigabe-Trigger (Neuanlage / IBAN-Änderung) werden als Event zurückgegeben; die Verarbeitung im ERP-System obliegt dem Aufrufer.

Die Schnittstelle gibt keine Kreditorenstammdaten direkt in ERP-Systeme zurück – sie liefert strukturierte Vorschläge mit Metadaten zur Herkunft (Feld source: bt-84 | vcard | freetext) und Konfidenz. Die Integration in die bestehende ERP-Datenhaltung liegt beim integrierenden System.


Für den Gesamtüberblick, was das für den Arbeitsalltag bedeutet – ohne Feldnummern und Parsing-Logik – geht es hier entlang: Stammdaten aus Signatur – Lösungsübersicht.