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Wer Kontoauszüge nicht mehr per Hand in eine Tabelle überträgt, sondern automatisch einlesen lässt, begegnet drei Formaten: CAMT, MT940 und CSV. Sie unterscheiden sich nicht nur in der Dateiendung, sondern im Informationsgehalt, in der Maschinenlesbarkeit und darin, was welche Bank tatsächlich ausliefert. Dieser Artikel erklärt, was hinter den Kürzeln steckt – und was das für die Liquiditätsplanung bedeutet.

MT940 – der SWIFT-Klassiker wird abgelöst

MT940 ist ein textbasiertes Format, das SWIFT in den 1980er-Jahren für den internationalen Zahlungsverkehr entwickelt hat. Jahrzehntelang war es der Standard für elektronische Kontoauszüge im Firmenkundengeschäft: Betrag, Buchungsdatum, Valuta und ein Freitextfeld für den Verwendungszweck – mehr nicht.

Das Format ist schlank, weit verbreitet und von vielen Buchhaltungsprogrammen – darunter DATEV – direkt importierbar. Das Problem: Der Freitext ist nicht strukturiert. Wo der Überweiser stand, welches Mandat einer Lastschrift zugrunde liegt, ob eine Buchung storniert oder korrigiert wurde – das liefert MT940 nur fragmentarisch oder gar nicht.

Die Deutsche Kreditwirtschaft hat MT940 zum November 2025 offiziell abgekündigt. Seit dem 23. November 2025 liefern Banken über EBICS keine MT940-Dateien mehr in der bisherigen Form – entweder wurde bereits vollständig auf CAMT.053 Version 08 umgestellt, oder die Restlaufzeit läuft mit reduziertem Dateninhalt bis spätestens Ende 2026 aus. Wer MT940-Importe in seiner Software hat, sollte prüfen, ob die Buchungen noch vollständig ankommen.

CAMT.052 und CAMT.053 – der XML-Standard nach ISO 20022

CAMT steht für „Cash Management" und ist Teil des internationalen ISO-20022-Standards. Im Gegensatz zu MT940 ist CAMT ein strukturiertes XML-Format: Jedes Datenelement – Betrag, Währung, IBAN des Gegenkontos, Verwendungszweck, End-to-End-Referenz, Mandatsnummer – steht in einem definierten Feld, das Maschinen ohne Interpretation lesen können.

CAMT.052 – der vorläufige Tagesbericht

CAMT.052 liefert untertägige Kontoauszüge: Buchungen, die im Laufe eines Geschäftstags eingehen, aber noch nicht als endgültig gelten. Es ist der Nachfolger des früheren MT942-Formats. Wer mehrmals täglich den aktuellen Kontostand abrufen möchte, greift auf CAMT.052 zurück. Die Buchungen können sich bis Tagesabschluss noch ändern; Anfangs- und Endsalden fehlen.

CAMT.053 – der abgeschlossene Kontoauszug

CAMT.053 ist der eigentliche Kontoauszug – das Äquivalent zum Monatsauszug aus dem Online-Banking, nur maschinenlesbar. Er enthält alle gebuchten Umsätze eines Abrechnungszeitraums samt Anfangs- und Endsaldo. Für die Buchhaltung, den Bankabgleich und die Liquiditätsvorschau ist CAMT.053 das relevante Format.

CAMT.054 – Details zu Sammelbuchungen

CAMT.054 ergänzt CAMT.053 um Einzelpositionen bei Sammelbuchungen – etwa wenn eine Sammel-SEPA-Lastschrift aus 40 Einzelmandaten besteht. Für den regulären Kontoauszugs-Import ist es selten nötig.

Versionen: 02 vs. 08

CAMT-Dateien kommen in verschiedenen Schema-Versionen. Die Version 02 (formal: camt.053.001.02) war lange der Quasi-Standard; sie wurde zum November 2025 abgekündigt. Seit Dezember 2025 stellen Banken ausschließlich Version 08 (camt.053.001.08) bereit. Diese Version enthält strukturierte Adressfelder – Name, IBAN und Postadresse des Zahlungspartners – die ab November 2026 vollständig befüllt sein müssen. Buchhaltungs- und ERP-Systeme müssen Version 08 verarbeiten können; ältere Implementierungen, die nur Version 02 kennen, liefern ab Ende 2025 leere oder fehlerhafte Importe.

CSV – flexibel, aber unstrukturiert

CSV (Comma-Separated Values) ist kein Bankenstandard, sondern ein allgemeines Dateiformat. Viele Banken bieten es im Online-Banking-Portal als Download an – oft neben oder statt CAMT. Der Vorteil: CSV öffnet sich direkt in Excel, ohne Zusatzsoftware.

Der Nachteil ist die fehlende Normierung. Jede Bank definiert ihre CSV-Spalten selbst. ING und DKB liefern neun Spalten (Buchungsdatum, Valuta, Auftraggeber/Empfänger, Buchungstext, Verwendungszweck, IBAN Gegenkonto, BIC, Betrag, Gläubiger-ID); Sparkassen nutzen ein anderes Layout; N26 wieder ein anderes. Wer CSV-Importe automatisieren will, braucht für jede Bank ein eigenes Mapping – oder ein System, das diese Varianz intern auflöst.

Für den gelegentlichen manuellen Export ist CSV praktisch. Für den automatischen, täglichen Abgleich ist CAMT.053 die belastbarere Wahl.

Welche Bank liefert was?

Die folgende Übersicht beschreibt den Stand Mitte 2026 – im Einzelfall lohnt ein Blick ins jeweilige Online-Banking-Portal:

Bank CAMT.053 MT940 CSV
Deutsche Bank ja (Version 08) Auslauf bis Ende 2026 ja
Commerzbank ja – Umstieg geplant Q2 2026 bis Q2 2026 ja
Sparkassen ja (über EBICS/FinTS) abgekündigt ja
Volksbanken/Raiffeisenbanken ja (über EBICS/FinTS) abgekündigt ja
ING (Geschäftskonto) über FinTS-fähige Software nein ja
DKB (Geschäftskonto) über FinTS-fähige Software nein ja

Privat-Banking-Portale (also das normale Online-Banking-Login) liefern CAMT häufig nur dann, wenn die Bank das Format im Portal aktiv freigeschaltet hat. Im Firmenkundenbereich ist CAMT.053 über EBICS der Standard – dort erfolgt der Export in der Regel über eine Buchführungssoftware oder ein Banking-Programm, nicht per Hand.

Was sich automatisch einlesen lässt

Für die automatische Verarbeitung – ohne manuellen Download, ohne Abtippen – sind zwei Wege relevant:

EBICS: Das verschlüsselte Kommunikationsprotokoll für den Datenaustausch zwischen Unternehmen und Bank. EBICS liefert CAMT.052 und CAMT.053 direkt an die angebundene Software, ohne dass jemand ins Online-Banking einloggen muss. Standard im Mittelstand, Voraussetzung ist ein EBICS-Vertrag mit der Hausbank.

FinTS/HBCI: Das ältere Protokoll, das viele Online-Banking-Programme nutzen. Ebenfalls maschinengestützt, aber weniger verbreitet im Firmenkundenumfeld. Liefert je nach Bank CAMT oder MT940.

Manueller Export: CSV oder CAMT-Dateien werden aus dem Online-Banking-Portal heruntergeladen und dann hochgeladen. Das ist der niedrigschwellige Einstieg – kein Vertrag, kein Freischalten. Für kleinere Betriebe ohne EBICS der pragmatische Weg.

Die Bank-Anbindung per CAMT, MT940 oder CSV beschreibt, wie der Import in die Liquiditätsplanung konkret funktioniert – egal ob über manuellen Upload oder automatischen Abruf.

Zusammenhang mit E-Rechnungen

CAMT-Kontoauszüge und E-Rechnungen kommen aus verschiedenen Richtungen, ergänzen sich aber in der Liquiditätsplanung: Die E-Rechnung zeigt, was fällig wird – der CAMT-Auszug zeigt, was tatsächlich gebucht wurde. Zusammen liefern sie den vollständigen Geldfluss: geplante Zahlungseingänge aus XRechnung oder ZUGFeRD und factur-x, abgeglichen gegen die realen Kontobewegungen.

Wer beides automatisch einliest, spart nicht nur Zeit – er bekommt den Abgleich zwischen Soll und Ist ohne manuellen Aufwand. Engpässe im Geldfluss werden sichtbar, bevor sie kritisch werden.

Zum Hintergrund: Die E-Rechnungspflicht 2025 bis 2028 regelt, wer wann strukturierte Rechnungen ausstellen und empfangen muss – unabhängig vom Bankformat, aber im selben digitalen Ökosystem.

Fazit für die Praxis

CAMT.053 ist der Standard, auf den sich alle deutschen Banken zubewegen. MT940 läuft aus – wer noch darauf angewiesen ist, sollte die Umstellung nicht aufschieben. CSV bleibt der schnelle Fallback für Banken, die keinen CAMT-Export anbieten oder für den Einstieg ohne technischen Aufwand.

Für die Liquiditätsvorschau gilt: Je strukturierter das Format, desto mehr Informationen kommen automatisch an. CAMT.053 liefert IBAN, Verwendungszweck und End-to-End-Referenz in maschinenlesbaren Feldern – eine Grundlage, aus der sich Cashflow aus Belegen fast ohne Handarbeit aufbauen lässt. Die Vorschau zeigt dann nicht nur, was auf dem Konto ist – sondern was in den nächsten 13 Wochen darauf zukommt.

Häufige Fragen

Was ist CAMT.053 und wie unterscheidet es sich von MT940?

CAMT.053 ist ein strukturiertes XML-Format nach dem internationalen ISO-20022-Standard und enthält alle abgeschlossenen Kontobuchungen eines Zeitraums. Jedes Datenelement – IBAN des Gegenkontos, Verwendungszweck, End-to-End-Referenz – steht in einem definierten Feld, das Maschinen ohne Interpretation lesen können. MT940 ist das ältere SWIFT-Textformat: Der Verwendungszweck landet im Freitext, eine maschinelle Auswertung ist fehleranfällig. Für strukturierte Buchungsdaten ist CAMT.053 die überlegene Wahl.

Wird MT940 abgeschaltet – und bis wann?

Ja. Die Deutsche Kreditwirtschaft hat MT940 offiziell abgekündigt. Seit November 2025 stellen Banken über EBICS keine MT940-Dateien mehr in der bisherigen Form bereit; der Übergang zu CAMT.053 Version 08 wird bis Ende 2026 abgeschlossen. Die ISO-20022-Migration der Deutschen Bundesbank dokumentiert den Zeitplan. Wer MT940-Importe im Einsatz hat, sollte die Vollständigkeit der eingehenden Buchungsdaten jetzt prüfen.

Wie importiere ich einen CSV-Kontoauszug zuverlässig?

Jede Bank legt ihr CSV-Spaltenformat selbst fest – ING, DKB und Sparkasse verwenden unterschiedliche Strukturen. Für einen robusten Import brauchen Sie entweder ein bankspezifisches Spalten-Mapping oder eine Software, die mehrere Layouts automatisch erkennt. Alternativ – und für die Liquiditätsplanung belastbarer – ist CAMT.053: Das Format ist normiert, maschinenlesbar und liefert konsistente Felder über alle Banken hinweg.

Welches Format liefert die meisten Buchungsdetails?

CAMT.053 liefert den größten Informationsgehalt: IBAN und Name des Gegenkontos, Verwendungszweck, End-to-End-Referenz und bei Lastschriften die Mandatsnummer stehen in dedizierten XML-Feldern. MT940 enthält dieselben Angaben bestenfalls im Freitext, CSV nur das, was die jeweilige Bank exportiert. Für die 13-Wochen-Liquiditätsvorschau gilt: Je strukturierter das Format, desto weniger Nacharbeit beim automatischen Abgleich.

Wie oft sollte man Kontoumsätze abrufen für eine aktuelle Liquiditätsvorschau?

Für eine rollierende Vorschau reicht ein täglicher Abruf des CAMT.053-Kontoauszugs. Wer den untertägigen Kontostand kennen will – etwa bei hohem Zahlungsvolumen – nutzt zusätzlich CAMT.052, das vorläufige Buchungen im Tagesverlauf liefert. Entscheidend ist nicht die Abrufhäufigkeit allein, sondern dass die eingelesenen Daten direkt in die Planung fließen, sodass Engpässe frühzeitig sichtbar werden.

Alle E-Rechnungs-Themen im Überblick

Weitere Artikel zu Formaten, Pflichten und Praxis finden Sie im E-Rechnung-Überblick.

Stand: Juni 2026. Quellen: Deutsche Kreditwirtschaft (EBICS-Spezifikation 3.7), DATEV-Infoseite Kontoumsätze, Commerzbank Formatabkündigung, ISO-20022-Standard (iso20022.org).