Auf dieser Seite

Wer die nächsten 13 Wochen nicht kennt, bucht die Kreditlinie nach Bauchgefühl. Zu groß – und die Bank kassiert Bereitstellungsprovision auf ungenutztes Kapital. Zu klein – und ein einzelner Lohnlauf oder eine Lieferantenrechnung reißt das Limit, was im Bankrating als Warnsignal erscheint. Die sauberste Lösung liegt dazwischen: eine Linie, die den tatsächlichen Liquiditätsbedarf abbildet, den die 13-Wochen-Vorschau Woche für Woche ausrechnet.

Was eine Kreditlinie kostet – auch wenn sie nicht genutzt wird

Der Kontokorrentkredit (Betriebsmittellinie) ist das flexibelste Kurzfristinstrument: Zinsen laufen nur auf den tatsächlich gezogenen Betrag, die Rückzahlung erfolgt automatisch über eingehende Zahlungen. Klingt günstig. Aber:

Sollzinsen liegen je nach Betrieb und Rating derzeit zwischen rund 7 und 12 % p. a. - und das auf jeden gezogenen Euro, taggenau.

Bereitstellungsprovision berechnen viele Banken auf den nicht genutzten Teil der Linie – üblicherweise 1 bis 2 % p. a. Wer 300.000 Euro vereinbart, aber im Schnitt nur 100.000 Euro zieht, zahlt auf die übrigen 200.000 Euro eine stille Gebühr. Bei 1,5 % sind das 3.000 Euro pro Jahr für Kapital, das nie bewegt wurde.

Überziehungsprovision droht, wenn das Limit überschritten wird: typisch 4 bis 5 Prozentpunkte über dem Sollzinssatz. Doppeltes Problem: teurer und Rating-schädlich.

Das Rechenziel ist deshalb: den tatsächlichen Spitzenbedarf kennen, nicht schätzen.

Das 90-Tage-KO-Kriterium

Banken wenden die Basel-III-Regelung zur Ausfallklassifizierung an. Wer das vereinbarte Limit über 90 aufeinanderfolgende Tage überzieht, gilt als ausgefallen – unabhängig davon, ob er Zinsen zahlt und der Umsatz stabil läuft. Die Konsequenz: automatischer Ratingabstieg, schlechtere Konditionen bei der nächsten Verlängerung, im schlimmsten Fall Kündigung der Linie.

Umgekehrt gilt: Ein Konto, das dauerhaft am Limit klebt und nie ins Plus dreht, sendet dasselbe Signal. Banken sehen in einem permanent ausgeschöpften Kontokorrent ein Zeichen struktureller Unterfinanzierung – selbst wenn die 90-Tage-Grenze formal nicht gerissen wird.

Wer seinen Spitzenbedarf kennt, kann beides vermeiden: die Linie ist groß genug, damit das Limit nicht gerissen wird; und sie ist klein genug, damit das Konto in ruhigen Wochen wieder positiv wird.

Spitzenbedarf aus der Vorschau ablesen

Die klassische Faustregel – „10 % des Jahresumsatzes" oder „der Betrag, um den das Konto schwankt" – ist ein grober Anhaltspunkt, aber kein Steuerungsinstrument. Sie bildet keine Saisonalität ab, keine ungleichmäßigen Zahlungsziele, keine Investitionsspitzen.

Die sauberere Methode nutzt die projizierte Liquiditätskurve:

Schritt 1 – Tiefpunkt identifizieren. In der Wochenvorschau ist der niedrigste prognostizierte Saldo der nominale Liquiditätsbedarf. Liegt er bei minus 80.000 Euro, ist das der Mindestrahmenbedarf.

Schritt 2 – Sicherheitspuffer addieren. Die Vorschau enthält unsichere Posten (angebotene Aufträge, noch nicht bestätigte Eingänge). Ein sinnvoller Puffer liegt bei 15 bis 25 % über dem Worst-Case-Tief. Aus 80.000 Euro werden also 92.000 bis 100.000 Euro.

Schritt 3 – Saisonalen Zyklus einrechnen. Wer saisonale Schwankungen hat (Bau, Handel), betrachtet den Tiefpunkt im schlechtesten Quartal der letzten zwei Jahre. Einige Banken akzeptieren dynamische Limits, die sich dem Bedarf anpassen – das spart Bereitstellungsprovision in der Hochsaison des Cashflows.

Schritt 4 – Gegen historische Kontoauszüge gegenchecken. Der niedrigste Tagesstand des vergangenen Jahres ist die empirische Untergrenze. Liegt die projizierte Kurve darunter, ist entweder das Wachstum real – oder die Planung hat einen Fehler.

Was-wäre-wenn-Szenarien helfen dabei, den Puffer zu kalibrieren: Wenn ein Großkunde 30 Tage länger zahlt als vereinbart, wie tief sinkt der Saldo dann? Das lässt sich durchrechnen, bevor es passiert – wie das geht, zeigt der Artikel zur Szenarioplanung in der Liquiditätsvorschau.

Skonto und die Linie: wann Zinsen sich rechnen

Ein häufiges Argument für eine großzügige Kreditlinie: Skonto ziehen. Wenn ein Lieferant 2 % Skonto für Zahlung innerhalb von 10 statt 30 Tagen bietet, entspricht das rund 36 % annualisierter Rendite – deutlich über jedem Kontokorrentzinssatz. Skonto ziehen ist in diesem Fall wirtschaftlich sinnvoll, auch wenn die Linie dafür kurz gezogen wird.

Das verändert aber nicht die Logik der Dimensionierung. Skonto-Ziehungen sind kurze, planbare Spitzen – nicht dauerhafter Bedarf. Sie fließen in die Wochenvorschau ein und erhöhen den Spitzenbedarf temporär. Die Linie muss diese Spitze auffangen können, ohne permanent auf diesem Niveau geplant zu sein. Wie man Skonto und Liquiditätspuffer gegeneinander abwägt, ist ein eigenes Kalkül – beschrieben im Artikel Skonto oder Puffer.

Was die Bank sehen will

Wer eine Linie neu beantragt oder verlängert, liefert mit einer datierten 13-Wochen-Vorschau ein Argument, das Hausmacht-Bauchgefühl ersetzt. Banken beurteilen Kreditanträge nicht nur nach Jahresabschluss und Eigenkapitalquote, sondern zunehmend nach der Qualität der Liquiditätsplanung – ein Effekt, den die verschärften Meldepflichten unter Basel III weiter verstärkt haben.

Eine Vorschau, die Tiefpunkt, Sicherheitspuffer und Rückflussgeschwindigkeit dokumentiert, beantwortet die drei Fragen, die jede Bankerin stellt: Wie hoch ist der Bedarf? Wann kommt das Geld zurück? Hätte das Unternehmen das vorher gesehen?

Das konkrete Vorgehen im Bankgespräch – welche Zahlen auf welche Seite des Tisches gehören – behandelt der Artikel Bankgespräch mit belegtem 13-Wochen-Plan.

Fazit: Puffer kennen, nicht auf Verdacht buchen

Die Kreditlinie ist kein Sicherheitsnetz, das man möglichst groß hält. Sie ist ein Instrument, das präzise sein sollte. Zu groß kostet Bereitstellungsprovision. Zu klein riskiert Rating-Schaden. Dazwischen liegt der Bereich, den die projizierte Liquiditätskurve ausweist: ein datierbarer Tiefpunkt, ein berechenbarer Puffer, ein bekannter Rückflusszeitpunkt.

Wer das in Zahlen hat, verhandelt anders – mit der Bank, mit Lieferanten und mit sich selbst.

Häufige Fragen

Wie hoch sollte der Kontokorrentkredit sein?

Die richtige Linienhöhe ergibt sich aus dem tiefsten projizierten Kontostand der nächsten 13 Wochen, zuzüglich eines Sicherheitspuffers von 15 bis 25 Prozent. Faustregeln wie „10 Prozent des Jahresumsatzes" liefern einen groben Anhaltspunkt, bilden aber weder Saisonalität noch ungleichmäßige Zahlungsziele ab. Wer den echten Spitzenbedarf aus der Liquiditätsvorschau abliest, dimensioniert die Linie weder zu eng noch auf Verdacht zu groß – und spart damit Bereitstellungsprovision auf ungenutztes Kapital.

Wie berechnet man den Betriebsmittelbedarf?

Der Betriebsmittelbedarf entsteht aus dem zeitlichen Versatz zwischen Auszahlungen und Einzahlungen – dem Working-Capital-Zyklus. Wer Vorleistungen erbringt und erst 30 oder 60 Tage später Geld vom Kunden erhält, muss diesen Zeitraum vorfinanzieren. Konkret werden alle Auszahlungen einer typischen Periode summiert und die im gleichen Zeitraum eingehenden Zahlungen abgezogen. Das Defizit ist der Mindestbedarf, bevor Sicherheitspuffer und Saisonspitzen hinzukommen.

Was kostet eine ungenutzte oder überzogene Linie?

Auf den nicht genutzten Teil der Linie berechnen viele Banken eine Bereitstellungsprovision von 1 bis 2 Prozent pro Jahr – stille Kosten für Kapital, das nie bewegt wurde. Wird das vereinbarte Limit überschritten, greift die Überziehungsprovision: typisch 4 bis 5 Prozentpunkte über dem Sollzinssatz, dazu Rating-Schaden nach 90 Tagen Dauerüberziehung. Wer die Linie auch für Skonto-Ziehungen nutzt, plant damit kurzfristige planbare Spitzen – das Abwägungskalkül dazu beschreibt Skonto oder Liquiditätspuffer.

Wie zeigt der 13-Wochen-Plan die nötige Linienhöhe?

Die rollierende 13-Wochen-Vorschau weist Woche für Woche den prognostizierten Kontostand aus. Der niedrigste Wert im Planungshorizont ist der nominale Liquiditätsbedarf und damit der Ausgangspunkt für die Liniengröße. Zusätzlich lassen sich Was-wäre-wenn-Szenarien durchrechnen: Zahlt ein Großkunde 30 Tage später, wie tief fällt der Saldo dann? Das Ergebnis liefert den Worst-Case-Puffer, den die Linie auffangen muss. Im Bankgespräch mit 13-Wochen-Plan ist diese Vorschau das zentrale Verhandlungsdokument.

Was tun, wenn die Kreditlinie regelmäßig ausgeschöpft ist?

Eine permanent ausgeschöpfte Linie signalisiert der Bank strukturelle Unterfinanzierung – selbst wenn das Limit nie 90 Tage am Stück gerissen wird. Der erste Schritt ist die Ursachenanalyse in der Liquiditätsvorschau: Liegt das Problem an langen Kundenzahlungszielen, an Vorleistungspflichten oder an dauerhaft zu engem Rahmen? Je nach Befund kommen Factoring, verlängerte Lieferantenziele oder eine Linienerhöhung infrage – letztere mit dem Bankgespräch mit 13-Wochen-Plan als Verhandlungsgrundlage.

Die Übersicht aller Themen zur Liquiditätssteuerung zeigt, wie die einzelnen Entscheidungen zusammenhängen.