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Wer erstmals mit E-Rechnungen konfrontiert wird, stolpert über drei Begriffe gleichzeitig: XRechnung, ZUGFeRD, Peppol. Die ersten beiden sind Formate: Sie beschreiben, wie Rechnungsdaten strukturiert sind. Peppol ist etwas anderes: ein internationales Transportnetz, das diese Formate sicher vom Absender zum Empfänger bringt. Diese Unterscheidung ist keine Formsache, sondern entscheidend dafür, was Unternehmen konkret einrichten müssen. Eine Übersicht aller Pflichten und Formate bietet das Thema E-Rechnung im Mittelstand.
Was Peppol ist und was nicht
Peppol steht für „Pan-European Public Procurement OnLine" und ist ein offenes Netzwerk für den sicheren elektronischen Dokumentenaustausch. Betrieben wird es von OpenPeppol, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in Brüssel. Das Netz selbst enthält keine Rechnungsdaten: Es ist die Infrastruktur, über die Daten fließen, vergleichbar einem Kurierdienstnetz, das Pakete befördert, ohne deren Inhalt zu definieren.
Das Netz besteht aus zertifizierten Access Points (AP), die als Ein- und Ausgangstore fungieren. Jeder Teilnehmer, sei es Unternehmen, Behörde oder Dienstleister, kommuniziert ausschließlich über seinen Access Point mit dem Rest des Netzes. Wer kein eigenes Access Point betreibt, nutzt einen der zahlreichen zertifizierten Drittanbieter.
Was Peppol nicht ist: kein Dateiformat, keine Softwarelösung, kein staatlicher Dienst. Die Formate, die über Peppol transportiert werden, sind davon vollständig unabhängig. In Deutschland ist für Behördenrechnungen die XRechnung im XML-Format verpflichtend, ein rein strukturiertes XML-Format nach dem europäischen Standard EN 16931. Peppol ist der Kanal, über den diese Datei sicher zugestellt wird.
Wie Peppol technisch funktioniert
Das Routing im Peppol-Netz läuft über zwei Systemkomponenten:
SML (Service Metadata Locator): Ein zentraler DNS-basierter Dienst, der für jede Peppol-ID den zuständigen SMP-Server ermittelt.
SMP (Service Metadata Publisher): Ein dezentraler Dienst, der den konkreten AS4-Endpunkt und das Zertifikat des Empfänger-Access-Points veröffentlicht.
Als Transportprotokoll verwendet Peppol AS4, einen OASIS-Standard für sichere B2B-Kommunikation. Jede Nachricht wird digital signiert, verschlüsselt und mit einer Zustellbestätigung versehen. Das unterscheidet Peppol grundlegend vom einfachen E-Mail-Versand: Der Absender erhält einen nachweisbaren Beleg, dass die Rechnung beim Empfänger-Access-Point eingegangen ist.
Der konkrete Ablauf einer Peppol-Übertragung:
- Der Absender übergibt das Dokument seinem Access Point.
- Der Absender-AP schlägt über SML und SMP den Empfänger-AP nach.
- Die Nachricht wird AS4-konform signiert, verpackt und zugestellt.
- Der Empfänger-AP quittiert den Eingang; das Dokument liegt im System des Empfängers bereit.
Dieser Roundtrip läuft in Sekunden und vollständig automatisiert; manuelles Eingreifen ist weder vorgesehen noch erforderlich. Das Bundesportal für E-Rechnungen bestätigt, dass Peppol die einzige Übertragungsmethode ist, die vollautomatische Maschine-zu-Maschine-Kommunikation und den Massenversand von E-Rechnungen unterstützt.
XRechnung, ZUGFeRD und Peppol: zwei Ebenen, eine Rechnung
Ein häufiges Missverständnis: Wer eine XRechnung erstellt, hat noch keinen Versandweg gewählt. Und wer über Peppol sendet, hat noch kein Format festgelegt. Beides sind separate Entscheidungen.
| Dimension | XRechnung | ZUGFeRD | Peppol |
|---|---|---|---|
| Was ist es? | Strukturiertes XML | PDF mit eingebettetem XML | Transportnetz |
| Zweck | B2G-Pflichtformat (Bund) | B2B und B2G | Übertragungsweg |
| Transportierbar via Peppol? | Ja | Ja | entfällt |
ZUGFeRD und Factur-X lassen sich ebenfalls über Peppol senden, sofern der Empfänger dieses Format akzeptiert. Bei Bundesbehörden ist jedoch ausschließlich XRechnung zugelassen: Das Format ist dort gesetzlich vorgeschrieben, der Transportweg Peppol empfohlen.
Wer Peppol heute nutzen muss
Die B2G-Pflicht, also die Verpflichtung, Rechnungen an öffentliche Auftraggeber elektronisch zu stellen, gilt in Deutschland seit dem 27. November 2020 auf Bundesebene. Bundesbehörden empfangen elektronische Rechnungen über das zentrale OZG-RE-Portal (Onlinezugangsgesetz-Rechnungseingang Bund), das an das Peppol-Netz angebunden ist.
Wer als Lieferant Rechnungen an Bundesbehörden stellt, hat im Wesentlichen zwei Wege:
- OZG-RE-Webportal: Manuelle Eingabe oder Datei-Upload über das kostenlose Bundesportal. Kein Access Point nötig, kein automatisierter Massenversand.
- Peppol-Access-Point: Vollautomatisierter Versand, geeignet ab regelmäßigem Rechnungsvolumen. Erfordert einen Vertrag mit einem AP-Anbieter.
Für rein privatwirtschaftliche Rechnungen (B2B) ist Peppol in Deutschland derzeit nicht verpflichtend. Die E-Rechnungspflicht 2025 bis 2028 betrifft den Empfang und Versand strukturierter E-Rechnungen, schreibt aber keinen bestimmten Transportweg vor. Peppol ist hier eine Option neben direktem API-Austausch, portalbasiertem Upload oder anderen vereinbarten Kanälen.
Empfang einrichten: Peppol-ID und Access Point
Um über Peppol erreichbar zu sein, benötigt ein Unternehmen eine Peppol-ID, eine eindeutige Kennung im Format [Präfix]:[Wert]. Für deutsche Bundesrechnungen lautet das Schema 0204:[Leitweg-ID]; die Leitweg-ID ist die Adressierungsnummer öffentlicher Auftraggeber in Deutschland.
Der Weg zur Erreichbarkeit in drei Schritten:
- Vertrag mit einem zertifizierten AP-Anbieter abschließen.
- Peppol-ID registrieren lassen; der AP trägt sie ins SMP ein.
- Ab diesem Moment können Lieferanten die Adresse im Peppol-Verzeichnis nachschlagen und Dokumente zustellen.
Die Software liest eingehende XRechnung-Dateien direkt aus und überführt Beträge sowie Fälligkeiten automatisch in die Liquiditätsplanung, ohne manuellen Abgleich zwischen Rechnungspostfach und Planungstabelle.
Access-Point-Anbieter auswählen
Zertifizierte Access-Point-Anbieter sind bei OpenPeppol gelistet. Für mittelständische Unternehmen relevante Auswahlkriterien:
- Peppol-BIS-Billing-3.0-Unterstützung: Das bevorzugte Rechnungsformat im Peppol-Netz; nicht alle AP unterstützen alle Subsets.
- Anbindung ans OZG-RE: Nicht jeder AP übermittelt automatisch ans Bundesportal; prüfen, ob B2G-Empfang gesichert ist.
- API statt SFTP: Für automatisierten Betrieb ist eine REST-API vorzuziehen.
- SLA und Monitoring: AS4 schreibt Zustellbestätigungen vor; Fehlerquoten und Retry-Logik sollten der Anbieter transparent machen.
- Kosten: Abgerechnet wird meist per Dokument oder pauschal. Bei niedrigem Volumen (unter 50 Rechnungen pro Monat) ist das OZG-RE-Webportal oft wirtschaftlicher als ein AP-Vertrag.
Fazit
Peppol ersetzt weder XRechnung noch ZUGFeRD, sondern ist das Netz, über das diese Formate sicher transportiert werden. Für Lieferanten an Bundesbehörden ist die Infrastruktur über das OZG-RE-Portal vollständig einsatzbereit. Wer regelmäßig B2G-Rechnungen stellt, profitiert von der Automatisierung eines zertifizierten Access Points gegenüber dem manuellen Webportal-Upload. Für B2B-Rechnungen bleibt Peppol in Deutschland vorerst freiwillig, gewinnt aber als Standardkanal für maschinenlesbare Belegzustellung auch dort an Gewicht.
Was ist der Unterschied zwischen Peppol und XRechnung?
XRechnung ist ein Dateiformat: Es beschreibt, wie Rechnungsdaten in XML strukturiert sind. Peppol ist das Transportnetz, über das diese Datei sicher vom Absender zum Empfänger gelangt. Beide sind unabhängig voneinander: Eine XRechnung kann per E-Mail, via Webportal oder über Peppol übermittelt werden.
Brauche ich als mittelständisches Unternehmen einen Peppol-Anschluss?
Nur wenn Sie regelmäßig Rechnungen an öffentliche Auftraggeber des Bundes stellen und das Volumen einen manuellen Webportal-Upload unwirtschaftlich macht. Für rein privatwirtschaftliche B2B-Rechnungen ist Peppol in Deutschland derzeit nicht vorgeschrieben.
Wie finde ich heraus, ob ein Auftraggeber über Peppol erreichbar ist?
Im öffentlichen Peppol-Verzeichnis unter directory.peppol.eu lässt sich jede registrierte Peppol-ID nachschlagen. Bundesbehörden sind über ihre Leitweg-ID adressierbar; das zentrale OZG-RE-Portal des Bundes ist standardmäßig erreichbar.
Was kostet ein Peppol-Access-Point?
Die Preise variieren je Anbieter und Volumen. Typisch sind monatliche Grundgebühren ab 20 bis 50 Euro plus Dokumentenpauschalen. Bei geringem Rechnungsvolumen ist das kostenlose OZG-RE-Webportal meist wirtschaftlicher.
Automatischer Belegeingang, keine Handarbeit mehr
Wer Transportweg und Format sauber auseinanderhält, richtet einmal richtig ein. Eingehende XRechnungen werden danach direkt zur Datengrundlage der Liquiditätsplanung, ohne Abtippen, ohne manuellen Abgleich.
Gebaut von Leuten, die denselben Engpass aus der Praxis kennen.